2000 AD

2000 AD wurde von Kelvin Goswell und Pat Mills 1977 für IPC Magazines aus der Taufe gehoben. Das Konzept mit viel Gewalt und fettem schwarzen Humor hob sich sehr stark von der sterilen blitzsauberen Zukunft der gängigen britischen Comics wie Dan Dare ab. Es verband zwei populäre Trends der Zeit, Punk und Science Fiction, und zog, im Gegensatz den bisherigen, zu großen Teilen billig im Ausland produzierten Comics, die britischen Autoren und Zeichner an. 2000 AD war auch das erste britische Comicmagazin, daß die Namen der Comicschaffenden abdruckte.
Was aber nicht heißt, daß die Autoren eine gute rechtliche Situation hatten bzw. haben, Warren Ellis z.B. hat bewußt nur einen Sechsseiter für 2000 AD geschrieben, denn, so sagte er in einem Interview: "Ich kannte die Horrorgeschichten der vorherigen Generation, die mit 2000 AD ins Comicgeschäft gewachsen ist, ich wußte sie also zu vermeiden." Selbst Mitbegründer Mills wurde nicht wirklich gut behandlet. Nach dem Erfolg von 2000 AD sollte er für denselben Verlag einen Mädchencomic, etwas wie einen weiblichen 2000 AD, konzipieren. Er wollte dies aber nur für einen Anteil des Profits tun, der Verlag sagte "Nein", Mills Antwort: "Und Tschüß".
Auch Sandman-Autor Neil Gaiman hat bei einer seiner fünf Future Shock Kurzgeschichten für 2000 AD schlechte Erfahrungen gemacht. Bei dieser wurde ihm ein spanischer Zeichner aufgedrückt, der natürlich ohne Englischkenntnisse war und nur eine grobe Übersetzung des Skriptes vorgelegt bekam. Die abgelieferten Comicseiten entsprachen dann natürlich nicht wirklich dem geschriebenen Skript. Die Redakteure von 2000 AD gingen dann hin und überarbeiteten Gaimans Geschichte in dem Versuch sie den letztendlich gezeichneten Seiten anzupassen. Und, so Gaiman, dann nahmen sie alle Witze raus.
Vielleicht hat Garth Ennis die Situation bei 2000 AD am besten beschrieben, als er in einem Interview sagte: "Es mag als Jugendlicher ein verdammt geiler Comic zum Lesen gewesen sein, aber als ein Platz zum Arbeiten war es nicht besonders toll."

Natürlich sind diese Geschichten nicht kennzeichnend für die ganze zwanzigjährige Geschichte des Magazins, es gibt auch sehr viel gutes und interessantes Comicmaterial, das für 2000 AD entstanden ist. In den Anfangsjahren wurde sehr schnell aus der Serie Judge Dredd, über den faschistoiden gleichnamigen Polizisten, Richter und Vollstrecker in einer Person, das Zugpferd das Magazines. Die Geschehnisse spielen in einer überbevölkerten dystopischen Megastadt der Zukunft, in der Judge Dredd mit brutaler und unmittelbar stattfindender 'Rechtsprechung' versucht seine Version von Gesetz und Ordnung aufrechtzuerhalten. Nachdem Pat Mills aufgehört hatte Judge Dredd zu schreiben übernahm John Wagner die Kontrolle über diesen Comic und schrieb Geschichten die den letztendlichen Mythos dieses britischen Kultcomics begründeten. 1980 kam Alan Grant hinzu und zusammen, oft unter dem Pseudonym T.B. Grover, machten Wagner und Grant die Figur des Judge Dredd zu ihrem Werk.
Später, nachdem eine Weile Wagner wieder alleine Judge Dredd geschrieben hatte, übernahm Garth Ennis die Serie, nach seiner Meinung hauptsächlich weil er einen besseren Sinn für die Konstruktion einer Geschichte hatte als die Mitbewerber. Im Nachhinein war Ennis mit seinem Einfluß auf den Comic nicht wirklich zufrieden, er hätte zu wenig eigenes miteingebracht, er war zu sehr Fan des Charakters Judge Dredd. Allerdings ist er auch mit einigen seiner Geschichten sehr zufrieden.
Ob Ennis Recht hat können wir demnächst selber überprüfen. Beim neuem Ehapalabel Fleetway erscheint ab ????? Judge Dredd, geschrieben von Garth Ennis, gezeichnet von seinem späteren Partner bei Hellblazer und Preacher (und demnächst auch Punisher) Steve Dillon.